Die einen radikalen Sparkurs verfolgenden Portland Trail Blazers haben ihrem neuen Head Coach einen Mini-Vertrag zum Einstand gegeben. Das löst eine Welle der Kritik aus.
Micah Nori soll bei den Blazers ein Grundgehalt deutlich unter dem marktüblichen Niveau kassieren, das durch erfolgsabhängige Boni erhöht wird. Zudem ist er zunächst nur für ein Jahr gültig. Für die beiden weiteren Jahre besteht eine Teamoption.
Das sorgt für Fassungslosigkeit bei anderen NBA-Coaches, allen voran J.B. Bickerstaff von den Detroit Pistons — Präsidenten der Trainervereinigung — ließ kein gutes Haar am Vorgehen der Franchise aus Portland.
«Das ist eine Ohrfeige für den Wert unserer Arbeit. Jemand nutzt deinen Traum aus und entwertet damit das, was Trainer sich über Jahre erarbeitet haben», lederte Bickerstaff bei ESPN. Der 52-jährige Nori ist seit 2009 in der NBA tätig und arbeitete zunächst bei den Toronto Raptors, Sacramento Kings, Denver Nuggets und Detroit Pistons, bevor er 2021 die Rolle als führender Assistenzcoach bei den Minnesota Timberwolves übernahm.
Bei den Wolves wurde er schnell zu einem Publikumsliebling, da er statt der üblichen Standardphrasen in Interviews stets zu sehr blumigen Metaphern griff und sich daher in den Medien den Spitznamen «Ted Lasso der NBA» einfing. Portland ist nun seine erste Bewährungschance als Head Coach in der NBA.
Und die könnte für Bickerstaff unter keinem guten Stern stehen, schließlich gefährde die kurze Vertragslaufzeit durchaus das Unterfangen, sich als Head Coach eine gewisse Autorität innerhalb der Mannschaft zu erarbeiten. «Wie soll man Spieler zur Rechenschaft ziehen, wenn jeder sieht, dass man jederzeit ersetzt werden kann?», fragte Bickerstaff daher.
Etwas wohlwollender sah Chris Finch, bei den T-Wolves Noris Vorgesetzter, die Situation. Man solle «Chancen nachjagen, nicht dem Geld», sagte er.
Portland Trail Blazers nach Besitzerwechsel auf radikalem Sparkus

Die Trail Blazers geben seit der Übernahme von Tom Dundon abseits des Courts ohnehin eine fragwürdige Figur ab. Während die Blazers sich in der Playoff-Serie mit den San Antonio Spurs duellierten, sorgten mehrere Berichte rund um das Team für Aufregung. So soll Dundon versuchen, einen Sparkurs durchzudrücken, wie es ihn in der NBA noch nie zuvor gegeben hat.
So durften Two-Way-Player aus Kostengründen nicht mit der Mannschaft zu den Spielen in San Antonio reisen, zudem droht offenbar einem der beiden Maskottchen der Trail Blazers («Blaze the Trail Cat» und «Douglas Fur») als Sparmaßnahme das Aus. Freikarten für Mitarbeiter sollen reduziert worden sein und auch die vielfach üblichen Playoff-Shirts fielen in diesem Jahr weg.
Dundons Sparkurs sorgte überhaupt erst dafür, dass sich die Trail Blazers nach dem Aus gegen die Spurs auf die Suche nach einem neuen Coach machen mussten. Noch vor der Übernahme durch Dundon erhielt Interimscoach Tiago Splitter, der im Saisonverlauf für Chauncey Billups übernommen hatte, eine Gehaltserhöhung auf sein bisheriges Salär als Assistant Coach.
Laut ESPN fanden auch schon Verhandlungen über eine Verlängerung statt, doch die wurden von Dundon dann auf Eis gelegt. Grund dafür: Das Vertragsangebot soll sich weit unter den üblichen Gehältern als NBA-Coach bewegen. So war berichtet worden, dass Dundon nur ungefähr eine Million Dollar Jährlich für den Hauptübungsleiter ausgeben möchte.
Die Wege trennten sich schließlich nach Saisonende und die Chicago Bull nahmen Splitter als neuen Head Coach unter Vertrag. Unter der Führung des 41-Jährigen sicherten sich die Blazers mit einem 42-40-Record die erste Winning Season seit der Spielzeit 2020/2021 und durch den Sieg im Play-In gegen die Phoenix Suns die erste Playoffteilnahme seit fünf Jahren.

