Чт. Июн 25th, 2026

Die deutschen Neulinge nach dem NBA Draft: Zwei «Perfect Matches» und die größtmögliche Herausforderung

Die Hornets schnappten sich mit Steinbach und Anderson gleich zwei deutsche Youngster, um dem großen Ziel näher zu kommen. Während die beiden perfekt ins System passen dürften, muss Kayil bei den Knicks vermutlich um jede Sekunde kämpfen.

Die Charlotte Hornets machten es im NBA Draft wie die Dallas Mavericks vor 41 Jahren und sicherten sich mit Hannes Steinbach (#14) und Christian Anderson (#18) gleich zwei deutsche Basketball-Hoffnungen in der ersten Runde. Mit ihren Stärken passen die beiden vermutlich perfekt in die aufstrebende Truppe. 

Aber auch mit ihren Schwächen. Können die beiden sich in ihrer Rookie-Saison im Kampf um die Playoffs dennoch bereits festspielen? Welche Auswirkungen hat der Blockbuster-Trade von Hornets-Star LaMelo Ball? Und bleibt Jack Kayil (#39), der Dritte im Bunde, überhaupt bei den New York Knicks?

 

Charlotte Hornets: Die Ausgangslage

Lange Zeit wollte man keinem jungen NBA-Talent, das einem auch nur ansatzweise am Herzen liegt, den Karrierestart in der Buzz City wünschen. Letztmals wurden die Playoffs 2016 erreicht, bevor fast ein Jahrzehnt im Tabellenkeller der Eastern Conference verbracht wurde. 

In der Vorsaison drehte sich der Wind aber gewaltig. Nachdem zu Saisonbeginn noch einige enge Spiele verloren wurden, drehten die Mannschaft von Head Coach Charles Lee im weiteren Saisonverlauf immer weiter auf und sah über einige Wochen plötzlich wie das heißeste Team der gesamten NBA aus. Angeführt von einer starken und jungen Starting Five aus Ball, Kon Knueppel, Brandon Miller, Miles Bridges und Moussa Diabate flogen die Hornets nach oben und schafften dank einer verrückten Aufholjagd noch den Sprung in Play-In.

Dort setzte sich Charlotte zunächst dramatisch gegen die Miami Heat durch, doch zog im zweiten Duell gegen die Orlando Magic den Kürzeren und verpasste doch wieder die Playoffs. «Das ist definitiv das, was man sich wünscht», erklärte Ex-Hornisse LaMelo im Anschluss die Postseason-Teilnahme als nächstes Zwischenziel für die kommende Spielzeit. Langfristig ist das aber noch nicht genug: «Damit gebe ich mich nicht zufrieden. Wir wollen auf jeden Fall ein paar Meisterschaften gewinnen.»

Charlotte Hornets: Die Rolle von Hannes Steinbach

Charlotte Hornets: Die Rolle von Hannes Steinbach

Da passt es gut, dass Steinbach doch schon vor dem Draft ähnliche Ziele formulierte. Am liebsten würde er «bei einem Team bleiben, einfach nicht so viel verändern», erklärte der Big Man — «und wenn es exzellent läuft natürlich zehn Championships gewinnen». Und realistisch «vielleicht eine, oder zwei». 

Zu dem Zeitpunkt wusste er noch gar nicht, dass er in Charlotte landen würde. Doch er hatte schon gute Gespräche mit dem Front Office geführt und die Verantwortlichen signalisierten ihm, «dass sie mich auf jeden Fall als Teil ihres Teams sehen». Die Hornets hielten ihr Versprechen und schlugen mit ihrem ersten Pick direkt zu. 

Der 20-Jährige passt nicht nur gut in die Altersstruktur des Teams. Auch sportlich stopft er mehrere Lücken. Zwar mangelt es den Hornets nicht an Bigs, aber in etlichen Lineups an Masse und Größe. Steinbach wird die (vermeintlich) unantastbare Starting Five nicht aufbrechen, doch dürfte schnell eine der ersten Optionen von der Bank sein. Diabate wird von Lee für seinen unermüdlichen Einsatz geschätzt, doch der Franzose wird unabhängig von Matchup-Problemen nur selten mehr als eine halbe Stunde abreißen können.

Im Rebounding ist Steinbach sofort ein mehr als gleichwertiger Ersatz. Die Hornets waren in der Vorsaison sowohl bei Abprallern generell als auch am offensiven Brett das fünftbeste Team der Liga. «Rebounds sind auf jeden Fall meine größte Stärke», erklärte Steinbach. Jeff Peterson, President of Basketball Operations bei den Hornets, war weniger bescheiden unterwegs: «Er ist der beste Rebounder im Draft.» Peterson hat Recht, insbesondere bei Offensive Rebounds war Steinbach am College eine absolute Macht (4,2 OR).

Peterson lobte zudem die Lernfähigkeiten des Würzburgers, der darüber hinaus direkt klarmachte, dass er sich in Sachen Shooting noch verbessern möchte. Dass er einen guten Touch und eine grundsätzlich gute Form hat, hat er schon bewiesen. Aus der Distanz ist der Wurf allerdings noch zu unsicher. Schafft er sich einen soliden Dreier an, gibt er den Hornets noch mehr Möglichkeiten, mit ihm Five-Out zu spielen. 

Dass Peterson sich zudem sicher ist, dass Steinbach die Hornets «an beiden Enden des Feldes besser machen wird», stimmt optimistisch und ist auch eine versteckte Kritik an der bisherigen Defense der Hornets. Denn die war an sich solide, gewinnt mit Steinbach allerdings keinen überragenden Ringbeschützer dazu. 

Zudem wird Charlotte herausfinden müssen, ob der Rookie eher auf der Vier oder Fünf eingesetzt werden soll — und wie genau der Frontcourt generell aussehen soll, nachdem mit Naz Reid nun überraschend ein weiterer Forward verpflichtet wurde, der auch mit Steinbach in direkter Konkurrenz stehen wird. Reid wurde in der abgelaufenen Saison Vierter bei der Wahl zum Sixth Man of the Year, 2025 landete er auf dem fünften Platz und 2024 räumte er die Trophäe sogar ab. 

 

Charlotte Hornets: Die Rolle von Christian Anderson

Charlotte Hornets: Die Rolle von Christian Anderson

Bricht man die Offensivtaktik der Hornets in der vergangenen Saison (zu) einfach herunter, lautete das Vorgehen: Dreier nehmen und entweder direkt treffen oder sofort den Rebound pflücken. Während Steinbach für letzteres zuständig sein wird, darf sich Anderson von Beginn an als Schütze aus der Distanz beweisen. 

«Christian ist einer der besten Shooter dieses Drafts», schwärmte Peterson bereits nicht zu Unrecht und betete die Zahlen und Analysen freudig herunter: «Er hat über 40 Prozent seiner Dreier getroffen, obwohl er fast acht pro Spiel genommen hat. Er nimmt sie aus dem Dribbling, aus dem Catch-and-Shoot oder auch als Spot-Up-Schütze.» 

Wichtig ist, dass Anderson die Würfe allerdings nicht nur weiter nimmt, sondern auch weiter trifft. Im Vorjahr nahmen die Hornets schon die zweitmeisten Dreier ligaweit und trafen mit der drittbesten Quote. In Sachen Effizienz fiel diesbezüglich vor allem LaMelo ab, der sich sogar über zehn Versuche pro Partie von draußen genehmigte, davon aber nur überschaubare 36,8 Prozent traf.

Am Donnerstag platzte allerdings die Bombe und die Hornets schickten ihren Spielmacher nach Minnesota. Zudem ist mit Coby White ein weiterer Point Guard der vergangenen Saison in diesem Sommer Free Agent. Normalerweise hätte sich Anderson hinter den beiden anstellen, doch dass die Hornets ihn schon ein paar Picks früher vom Board nahmen als manche Experten erwarteten, lässt aber zugleich vermuten, dass die Hornets den Nationalspieler unbedingt wollten und ihm Großes zutrauen. Der Abgang von Ball verstärkte den Eindruck zunächst und auch bei White gibt es noch keine klare Tendenz

Doch selbst wenn auch White gehen würde, dürfte Anderson dennoch vor allem gemeinsame Bankminuten mit seinem Junioren-Kollegen Steinbach sammeln, da noch Alternativen kommen sollten. Als Spielmacher hat er im vergangenen Jahr in Texas Tech noch einmal einen großen Sprung gemacht und im Pick-and-Roll sein Potenzial auch als Passgeber angedeutet, sodass er als Anführer der Second Unitt direkt viel Verantwortung tragen wird und häufiger sehr ordentliche Statistiken sammeln könnte. Dass er direkt als Starter eingeplant wird, wäre allerdings eine dicke, dicke Überraschung.

Denn ihn verfolgen die gleichen Fragezeichen wie Steinbach und die Hornets. Anderson ist zwar ein fleißiger Verteidiger, aber kein besonders guter. Allein schon aufgrund mangelnder Größe sowie mangelndem Gewicht und mangelnder Stärke. 

Zudem hatten die Hornets bei ihrer Erfolgstaktik im Vorjahr darunter gelitten, dass sie zwar aus der Distanz eifrig zu Punkten kamen, aber auch vom Wurf abhängig waren. Nur vier Teams waren noch seltener direkt am Korb erfolgreich und auch Anderson hat keinen guten Zug zum Korb. Es fehlt ihm im Drive an Explosivität, sodass er zwar grundsätzlich gut am Ring abschließt, aber es viel zu selten tut (3,4 Versuche pro 100 Ballbesitze).

 

New York Knicks: Die Ausgangslage

Der dritte deutsche Rookie, Jack Kayil, geht indes vom deutschen Meister ALBA Berlin zum amtierenden NBA-Champion, dem besten Team der NBA. Es ist also eigentlich die größtmögliche Herausforderung, sich dort zu etablieren, wo der Erfolg derzeit maximal ist.

Die Knicks haben sich in den vergangenen Jahren immer weiter gesteigert und in der abgelaufenen Saison erstmals nach 53 Jahren wieder die Meisterschaft gesichert. 

Auch in der kommenden Saison dürften die Knickerbocker wieder als Contender gehandelt werden. Die Starting Five rund um Jalen Brunson, Mikal Bridges, Josh Hart, OG Anunoby und Karl-Anthony Towns wird zusammenbleiben. Owner James Dolan machte allerdings schon deutlich, dass er sich vor dem Second Apron fürchtet, sodass einige Rollenspieler (Mitchell Robinson, Landry Shamet) vielleicht nicht noch einmal in den Big Apple zurückkehren werden. 

Auch im Draft wurde stets auf die Finanzen geschaut und die Knicks tradeten sich aus der ersten Runde heraus. Auch den 31. Pick gaben sie ab und es war fast schon eine kleine Überraschung, dass sie mit dem 39. Pick dann doch noch einmal einen Spieler auswählten. Später bekam an Position 47 auch noch Tyler Nickel die NY-Kappe aufgesetzt. 

New York Knicks: Die Rolle von Jack Kayil

New York Knicks: Die Rolle von Jack Kayil

Als Zweitrundenpick besitzt Kayil zunächst einmal gar keinen automatisch garantierten Rookie-Vertrag. Im Gegensatz zu Steinbach und Anderson ist in seinem Falle auch überhaupt nicht garantiert, dass die Knicks jetzt schon mit ihm wirklich planen wollen. 

Wenig überraschend wurde der 20-Jährige auf der Pressekonferenz auch direkt gefragt, ob er noch einmal nach Berlin zurückkehren möchte, um in der Hauptstadt ein weiteres Jahr zu lernen und an seinem Spiel zu arbeiten. Der Youngster wäre ein prädestinierter «Stash»-Kandidat, an dem die Knicks zwar die Rechte haben, ihn aber erstmal woanders zwischenparken. Doch der Berliner machte klar: «Mein Plan ist, dass ich hierbleibe, in der Organisation Fuß fasse und den Weg mit ihnen gehen werde.»

Kayil hat jedoch einen langen Weg in die Rotation der Knicks vor sich. Oder zumindest in die Rotation der New York Knicks. Wahrscheinlich wird der Guard sich nämlich erst einmal bei den Westchester Knicks in der G-League beweisen müssen. 

Dass der regelmäßige Umweg über die Ausbildungsliga immer eine Option ist, kann ihm in New York Landsmann Ariel Hukporti verraten. Der Big Man verbrachte über die letzten zwei Jahre immer wieder Zeit in der G-League, aber erarbeitete sich auch immer wieder Kurzeinsätze in der NBA. In seinem ersten Jahr waren es 25, in der letzten Saison schon 54. 

«Und wenn ich draußen bin, möchte ich dem Team helfen, wo auch immer ich kann. Ich bin ein bescheidener Typ, darum: egal, welche Rolle sie mir hier geben, die werde ich auch erfüllen», lautete sein Motto vor der Meistersaison. Auch das darf Kayil gerne übernehmen. Hukporti meckerte nie, arbeitete hart und gab in seinen ausgewählten Minuten alles. Er erspielte sich so das Vertrauen von Head Coach Mike Brown, der ihn im Gegenzug in den Playoffs sogar zeitweise gegen Joel Embiid und Victor Wembanyama stellte.

Brown vertraute in der Regular Season tieferen Rotationen als Vorgänger Tom Thibodeau und ließ beispielsweise auch Rookie Mohamed Diawara immer wieder von der Leine. Trotzdem muss Kayil hinter Brunson, Hart, Miles McBride, Jose Alvarado, Jordan Clarkson und Tyler Kolek noch einige Schritte machen. Dafür wird er, der zwar viele gute Grundlagen hat, aber keine besondere Fähigkeit wie Steinbachs Rebounding oder Andersons Wurf, allerdings auch die Zeit bekommen. Die Erwartungen sind gering, er kann sie fast nur übertreffen. 

 

NBA: Die Statistiken der deutsche Draft-Picks 2025/2026

 

Spieler Team GP MIN PTS FG% 3FG% FT% REB AST STL BLK TO
Hannes Steinbach Washington Huskies 30 34,6 18,5 57,7 34,0 75,9 11,8 1,6 1,1 1,2 2,0
Christian Anderson Texas Tech Red Raiders 33 38,3 18,5 47,2 41,5 80,4 3,3 7,4 1,5 0,2 3,3
Jack Kayil Alba Berlin 32 21,0 12,2 40,0 34,4 76,7 2,8 3,5 0,8 0,1 2,2

 

By Callum Henshaw

Callum Henshaw, based in Bristol, England, is a sports journalist hooked on Juventus. From match breakdowns to transfer buzz, he delivers sharp, fan-focused takes on the Bianconeri.

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