Чт. Апр 30th, 2026

Nur Harry Kane ist noch besser! Ein ehemaliger Rechtsverteidiger ist plötzlich Deutschlands zweitbester Torjäger

Kaum jemand kennt ihn, doch er trifft beinahe so regelmäßig wie Harry Kane: Ein völlig unerwarteter Name führt die Torjägerliste der 2. Liga an.

Dass Bayerns Harry Kane unangefochten die Torschützenliste der Bundesliga anführt, ist den meisten Fußballfans bekannt. Doch wer liegt in der 2. Liga vorne? Das hat vermutlich nicht jeder auf dem Schirm.

Anders als im Oberhaus spielt der Führende in der zweiten Liga beim Tabellensechzehnten. Er hat 17 Tore in 18 Spielen erzielt, was einem Tor alle 93 Minuten entspricht. In den drei deutschen Profiligen wird diese Quote nur von Harry Kane übertroffen (65 Minuten pro Tor). Selbst Deniz Undav vom VfB Stuttgart, Kanes nächster Verfolger, benötigt mehr Zeit pro Tor (106 Minuten).

Dieser überraschende Torjäger heißt Mateusz Zukowski und spielt für den 1. FC Magdeburg. Der 24-jährige Pole hat über 35 Prozent der Treffer seines abstiegsbedrohten Vereins erzielt und zudem drei Torvorlagen geliefert.

Wer nun denkt, Zukowski habe einfach nur einen Lauf, der sollte wissen: Magdeburg hat ihn im vergangenen Sommer eigentlich als Rechtsverteidiger verpflichtet – und das trotz eines Mittelfußbruchs.

Mateusz Zukowski verpasste sogar noch die ersten acht Spiele

Den Mittelfußbruch zog sich Zukowski noch im Trikot seines vorherigen Vereins Slask Wroclaw zu. Ursprünglich wollte der FCM deshalb von einer Verpflichtung absehen. Als jedoch der letztjährige Torschützenkönig Martijn Kaars für eine klubinterne Rekordsumme von vier Millionen Euro zum FC St. Pauli wechselte, schlug Magdeburg am letzten Tag des Transferfensters für 250.000 Euro Ablöse trotz Verletzung bei Zukowski zu und bezeichnete ihn als «Verpflichtung für die Zukunft».

Dies war nicht nur deshalb ungewöhnlich, weil Zukowski die ersten acht Saisonspiele verletzungsbedingt verpasste und zuvor in 132 Profipartien lediglich fünf Tore erzielt hatte. Der FCM sah in ihm primär keinen Stürmer. In seiner bisherigen Karriere bekleidete Zukowski überwiegend die defensive Position als Rechtsverteidiger, was ihm 2022 auch einen Wechsel von Lechia Gdansk für 600.000 Euro zu den Glasgow Rangers ermöglichte.

Dort konnte sich Zukowski jedoch nicht durchsetzen. Nach sieben Monaten und nur einem Spiel war seine Zeit in Schottland beendet, und er ließ sich zu Lech Poznań ausleihen. Vor fast drei Jahren wechselte er dann zu Slask Wrocław. Insgesamt absolvierte Zukowski in seiner Heimat 105 Erstligapartien, kam aber 52-mal nur von der Bank.

Ein Abschlusstraining machte Mateusz Zukowski zum Stürmer

Bei Slask, das im Vorjahr in die 2. Liga abstieg, durfte er sich erstmals häufiger auf verschiedenen Positionen ausprobieren. Mehrfach kam Zukowski dort auch über den rechten oder linken offensiven Flügel, zudem stehen drei Einsätze als Mittelstürmer in der Statistik. In der Saison 2024/25 erzielte er jedoch in 37 Pflichtspielen nur zwei Tore.

In Magdeburg musste er nach seiner Fußoperation zunächst zwei Monate pausieren. Während dieser Zeit startete der Klub verheerend in die Saison, woraufhin Trainer Markus Fiedler seinen Posten räumte. Petrik Sander übernahm – und setzte Zukowski nach dessen Genesung sofort im Angriff ein.

Dass der Trainer den viermaligen U21-Nationalspieler sofort als Stürmer einsetzte, ist vor allem auf eine bestimmte Trainingseinheit zurückzuführen. «Wir wussten nicht genau, was er für ein Typ ist. Irgendwann hatten wir dann ein Abschlusstraining, in dem es um Torschüsse ging. Da hat er die Bälle so ins Tor gebrettert, dass die Torhüter gar nicht wussten, wohin mit sich. Petrik Sander hat dann gesagt, dass Mateusz rechts hinten gar nichts verloren hat», erklärte Offensivpartner Baris Atik kürzlich bei ‘At Broski — Die Sport-Show’.

Zukowskis schwierige Jugend: ‘Er hat meine Mutter geschlagen’

Ohne Atik, der als Linksaußen bereits fünf Tore sowie elf Vorlagen beisteuerte, und Zukowski würde Magdeburg deutlich tiefer im Schlamassel stecken. «Ich kenne Mateusz in- und auswendig und weiß, wie er tickt», sagte Atik. «Ich beobachte seine Laufwege und er ahnt meine Pässe. Es passt sehr gut.»

Zukowskis Stärken sind vielfältig. In der Luft ist er dominant, auch seine Ballverarbeitung ist sehr gut. Zusammen mit seiner Physis macht ihn das auch zu einem guten Wandspieler. Sein Tempo kann sich ebenfalls sehen lassen, er agiert oft dynamisch und bringt neben seinem Torinstinkt eine große Wucht mit. In seinem elften Spiel knackte er bereits die Zehn-Tore-Marke – das schafften in der seit 1981 eingleisigen 2. Bundesliga erst zwei Spieler schneller (Sambos Sambo Choji für Saarbrücken 2000 und Patrick Helmes für Köln 2006).

Zukowskis Aufstieg ist umso beachtlicher, wenn man weiß, aus welch schwierigen Verhältnissen er stammt. Als er 20 war und in Danzig kickte, gab er im Podcast ‘Znajomi Ze Slyszenia’ Einblicke. Zukowskis Mutter wurde durch ihren Mann Opfer häuslicher Gewalt. «Er hat meine Mutter geschlagen, es war eine schwere Zeit zu Hause», sagte Zukowski.

Wechselt Mateusz Zukowski nach einem Jahr schon wieder?

Viermal musste seine Mutter deshalb operiert werden, zwei Brüder gerieten auf die schiefe Bahn. Er selbst ließ sich jahrelang von einem Psychologen betreuen. «Ich denke nicht gern darüber nach. Meine Mutter tut es oft und fängt dann an zu weinen», sagte er. Ihr Geburtsdatum hat sich Zukowski tätowieren lassen. «Ich habe mir immer gesagt, dass ich meiner Familie helfen und durch Fußball wieder auf die Beine kommen will, damit wir ein besseres Leben haben können.»

Finanziell hat er dieses Ziel längst erreicht. Zukowski winken dank seiner anhaltenden Top-Form allerdings noch lukrativere Einnahmen. Wie Kaars im Vorjahr könnte er den FCM nach nur einer Saison wieder verlassen. Mittlerweile wird er regelmäßig von Scouts beobachtet. Wie lange sein Vertrag datiert ist, hat der Klub aus Sachsen-Anhalt nicht mitgeteilt.

«Es liegt in der Natur des Geschäfts, dass einer, der viele Tore schießt, sich in die Notizblöcke anderer Vereine schießt», sagte zuletzt Schorks Nachfolger Peer Jaekel. «Wir werden dafür kämpfen, dass er es in Magdeburg so schön hat, wie er sich das vorstellen kann und wie er sich das wünscht. Dementsprechend hoffe ich, dass er weiter viele Tore macht und dass er lange bleibt.» Das dürfte sich als hehres Ziel erweisen, erst recht, sollte Magdeburg absteigen.

Mateusz Zukowski: Seine Karriere als Profi im Überblick

Zeitraum Verein Pflichtspiele Tore Vorlagen
2017-2022 Lechia Gdańsk 50 2 1
2019-2020 Chojniczanka Chojnice (Leihe) 12 0 0
2022-2023 Rangers FC 1 0 0
2022-2023 Lech Poznań (Leihe) 3 0 0
2023-2025 Śląsk Wrocław 66 3 6
seit 2025 1. FC Magdeburg 19 17 3

By Callum Henshaw

Callum Henshaw, based in Bristol, England, is a sports journalist hooked on Juventus. From match breakdowns to transfer buzz, he delivers sharp, fan-focused takes on the Bianconeri.

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