Die Heat schnappen sich den Superstar der Bucks, um im Osten anzugreifen. Doch für den Titel müssen noch weitere Moves folgen.
Nach 13 Jahren bei den Bucks und 13 Monaten voller Gerüchte und ständiger Wendungen steht fest: NBA-Superstar Giannis Antetokounmpo verlässt Milwaukee und schließt sich den Miami Heat an.
Giannis wechselt gemeinsam mit Bobby Portis nach Miami, im Gegenzug erhalten die Bucks drei Erstrundenpicks, einen Zweitrundenpick, Tyler Herro, Kel’el Ware, Jaime Jaquez Jr. und Kasparas Jakucionis. Das Paket beinhaltet ungeschützte Firstrounder für die Drafts 2031 und 2033, den Nr.13-Pick für den diesjährigen Draft in der Nacht auf Mittwoch, den Secondrounder 2033 sowie einen Pick-Swap 2030.
Doch kommt Giannis seinem großen Traum vom zweiten NBA-Titel in Miami wirklich näher? Wird seine Befürchtung wahr, dass die Heat zu viel für den «Greek Freak» bezahlt haben? Und können die Bucks mit dem Deal zufrieden sein?
Der Trade in der Analyse aus drei Perspektiven.
Der Antetokounmpo-Trade aus der Perspektive der Miami Heat

Nach dem bitteren Aus im Play-In hatte Heat-Präsident Pat Riley klargemacht, mit seiner mittelmäßigen Mannschaft nicht tanken zu wollen. Stattdessen ließ er mit Blick auf den Sommer wissen: «Das ist das erste Mal seit ein paar Jahren, dass wir ein paar Chancen haben, etwas mit unserem Kader und unserer Flexibilität zu erreichen.» Riley versprach, den Markt «aggressiv» ausloten zu wollen. Einen «dummen Move» wollte er jedoch auch nicht erzwingen.
Er hat sein Wort gehalten. Wieder einmal wurde ein begehrter Topspieler nach Florida gelockt. In diesem Fall handelt es sich wohl um den begehrtesten Superstar des Sommers und die spektakulärste Heat-Verpflichtung seit LeBron James. Mit Giannis kommt ein zweifacher MVP, Finals-MVP, Defensive Player of the Year und zehnfacher All Star, der in der Vorsaison im Schnitt keine halbe Stunde auf dem Parkett brauchte, um über 27 Punkte, 9 Rebounds und 5 Assists aufzulegen. Der 31-Jährige war auch im Vorjahr grundsätzlich ein Top-5-Spieler der NBA und macht die Heat logischerweise auf Anhieb deutlich besser.
Dafür muss er allerdings fit sein. In der letzten Saison absolvierte er nur 36 Spiele, nur einmal in den letzten sieben Spielzeiten brachte er es auf mehr als 70 Einsätze. Dabei sind es immer wieder unterschiedlichste Verletzungen, die den Griechen zum Zuschauen zwangen.
Bleibt er fit, muss sich die Starting Five der Heat vor kaum einem anderen Team verstecken. Bam Adebayo, den Riley nur für acht Picks und Victor Wembanyama abgeben würde, wird als Co-Star neben Antetokounmpo agieren. Sollte Norman Powell gehalten werden und Andre Wiggins seine Spieleroption ziehen, sind vier (ehemalige) All Stars unter den ersten fünf. Davion Mitchell nähme den verbleibenden Starting-Spot ein, mit Portis, Nikola Jovic und Pelle Larsson dürfte der Ansatz einer Kernrotation stehen.
Doch die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass die Tiefe der Teams beim immer weiter steigenden Tempo und sich immer weiter anpassendem Niveau von Jahr zu Jahr wichtiger wird. Klassische Superteams, mit denen man sich in Miami noch gut auskennen dürfte, sind längst nicht mehr der garantierte Weg zum Titel.
Zumal kleinere Fragezeichen beim Fit bestehen bleiben. Defensiv dürften die Heat mit Giannis und Bam fast schon automatisch zur Ligaspitze gehören. Auch offensiv kann Antetokounmpo bekannte Problemzonen adressieren. Miami hatte in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Probleme, zum Korb zu ziehen. In den letzten Jahren war kein Spieler in der Restricted Area erfolgreicher als der Neuzugang.
Dass Antetokounmpo vor allem in Korbnähe brilliert, könnte in der Offensive allerdings auch zum Problem werden. Sein Dreier ist überhaupt kein Faktor, sodass es Shooting um ihn herum braucht. Immerhin nahm Adebayo in den letzten Jahren immer mehr Abschlüsse von draußen. Dass mit Erik Spoelstra ein Basketballgenie an der Seitenlinie steht, hilft sicherlich dabei, in allen Fällen Lösungen zu finden.
Trotzdem darf der Trade für Giannis nur der Anfang gewesen sein. In den kommenden Tagen, Wochen und Monaten werden die Heat noch einmal fleißig nachrüsten müssen, um den New York Knicks, Detroit Pistons und Boston Celtics im Osten wirklich gefährlich zu werden.
Der Antetokounmpo-Trade aus der Perspektive von Giannis

Die Heat haben mit dem Trade ihren Wunschspieler der letzten Monate bekommen und Giannis wechselt zugleich zu einem seiner Wunschteams der letzten Monate. Im letzten Sommer wollte der Forward offenbar unbedingt nach New York, doch die Knicks lehnten ab. Je nach Insider und je nach Tageszeit wurde während der Trade-Saga immer wieder über unterschiedliche Favoriten Antetokounmpos berichtet. Die Heat standen zumindest immer weit oben auf der Wunschliste.
Zuletzt hatte Antetokounmpo noch die Sorge umgetrieben, dass Miami für ihn möglicherweise zu viel bezahlen muss und er plötzlich als alleiniger Star unter Spoelstra aufläuft. Mit Herro verlieren die Heat auch einen ihrer besten Spieler, doch der Point Guard fehlte in der letzten Saison ebenfalls häufiger verletzungsbedingt und galt schon länger nicht mehr als unantastbar. Jaquez Jr. wurde Zweiter bei der Wahl zum Sixth Man of the Year und ist wahrlich ein Spieler mit viel Potenzial. Er wird jedoch kein Team in nächster Zeit zur Meisterschaft werfen. Gleiches gilt für Ware, dessen Einsatzzeiten unter Spoelstra ständig schwankten, und Jakucionis, der erst vor seiner zweiten NBA-Saison steht.
Dass Miami etliche Picks nach Milwaukee wandern lassen musste, dürfte den Griechen ebenfalls kalt lassen. Giannis wollte von den Bucks weg, um zeitnah wieder um einen Titel zu spielen. Was im Draft 2030 passiert, dürfte ihn derzeit überhaupt nicht interessieren. Für ihn und die Heat ist der Deal ein klarer «Win-Now-Move». In naher Zukunft wird die Titelchance bei den Heat, die sich aufgrund des Standortvorteils sicher noch auf den ein oder anderen Free Agent freuen dürften, deutlich größer als bei den Bucks sein.
Ob sie allerdings größer als bei den Celtics ist, ist fraglich. Boston hatte bis zuletzt gehofft, Miami auszustechen und sich die Dienste von Antetokounmpo zu sichern. Auch Giannis soll einen Wechsel zu den Kelten im Vergleich zu den Heat leichtbevorzugt haben. Dass er aber offenbar keinen «maximalen Druck» ausgeübt hat, spricht dafür, dass er von Miami überzeugt ist und die Celtics jetzt noch einmal ein ernstes Wort mit Jaylen Brown sprechen müssen.
Giannis hat seinen Wunsch bekommen. Und darf sich nach einer monatelangen Saga, die nur Verlierer kannte, als Sieger fühlen.
Der Antetokounmpo-Trade aus der Perspektive der Milwaukee Bucks

Auch die Bucks (sowie viele Fans und Beobachter) dürfen sich allein schon deswegen als Sieger fühlen, weil sie nach 13 Monaten des Hin und Hers endlich Klarheit haben. Zudem gelang es Milwaukee, den Deal noch vor dem Draft über die Bühne zu bringen. Das war das klar kommunizierte Ziel nach Saisonende, das allerdings zwischenzeitlich in weite Ferne rückte.
Doch die Bucks ließen sich in den letzten Wochen nicht stressen und rückten nicht von ihren Forderungen ab. Vermutlich hätten sie vor einigen Monaten noch einen besseren Gegenwert herausschlagen können, aber unter den Umständen des offenen Bruchs mit Antetokounmpo haben sie sich solide für die Post-Giannis-Ära aufgestellt.
Natürlich schmerzt der Abschied von einem der zwei besten Spieler der Franchise-Geschichte. Auch Portis wird als Anführer, guter Bankspieler und Fanliebling fehlen. Dass sich das Front Office nicht mit den Celtics einigen konnte und somit auf Brown als direkten Superstar-Ersatz verzichtete, könnte langfristig trotzdem die richtige Entscheidung sein.
Angeblich soll Co-Owner Jimmy Haslam darauf gedrängt haben, die Offerte aus Boston auszuschlagen. Haslam, der auch Co-Owner der Cleveland Browns in der NFL ist, befürchtete ein «Myles-Garrett-Szenario». Der NFL-Superstar forcierte über einen langen Zeitraum seinen Abschied. Fast schon wie Antetokounmpo. Bei Brown gab es bereits erste Gerüchte, dass er nicht für Milwaukee spielen möchte. Lange Zeit war daher über einen Drei-Team-Trade spekuliert worden.
Aber auch ein spielender Brown hätte an dem Status quo in Wisconsin kaum etwas verändert. Die Bucks sind ein mittelmäßiges Team. Im Vorjahr waren sie ohne Giannis schlecht und mit ihm solide. Im Osten landeten sie vor den tankenden Truppen auf Platz elf. Alle ambitionierten Mannschaften landeten deutlich vor ihnen, der Abstand auf die zehntplatzierten Heat betrug am Ende elf Siege.
Nun darf sich der neue Head Coach Taylor Jenkins mit einer überwiegend neuen Mannschaft am Neuaufbau über die nächsten Jahre versuchen. Dass Herro lange Teil dessen sein wird, ist unwahrscheinlich. Der Spielmacher passt im Gegensatz zu den noch etwas roheren Ware, Jakucionis und Jaquez Jr. deutlich weniger in den neuen Zeitplan.
Viel wichtiger ist noch die neue Draft-Munition, die in den nächsten Jahren sonst rar gesät wäre (keine Kontrolle über den eigenen Firstrounder 2027, 2028, 2029, 2030). Dank des Nr.13-Picks von Miami dürfen die Bucks sich in der Nacht auf Mittwoch gleich zwei Lottery-Talente schnappen. Gerüchten zufolge könnten rund um den Draft-Abend noch weitere Moves folgen. Zudem wurde der Giannis-Trade bereits clever abgewickelt, sodass trotz des gestretchen Vertrags von Damian Lillard auch wieder mehr finanzieller Spielraum besteht.
Der Weg zum Contender ist aktuell zwar weit, doch in Milwaukee herrscht jetzt wieder deutlich weniger Zeitdruck und zugleich sind mehr vielversprechende Zukunftsoptionen möglich.
NBA: Die Statistiken von Giannis Antetokounmpo in der Saison 2025/2026
| GP | MIN | PTS | FG% | REB | AST | STL | BLK | TO |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 36 | 28,9 | 27,6 | 62,4 | 9,8 | 5,4 | 0,9 | 0,7 | 3,2 |

