Hätte der Führungstreffer gegen Österreich, der Argentiniens Lionel Messi zum WM-Rekordtorschützen machte, eigentlich gar nicht zählen dürfen?
Ein hartes Einsteigen des argentinischen Mittelfeldspielers Alexis Mac Allister gegen Österreichs Xaver Schlager in der Nähe der Mittellinie, das die Entstehung des ersten Messi-Tores beim 2:0-Sieg der Argentinier im WM-Gruppenspiel am Montag einleitete, sorgte nach Abpfiff für brisanten Gesprächsstoff.
Österreichs Nationaltrainer Ralf Rangnick bezeichnete es bei MagentaTV als «ärgerlich, dass der VAR nicht den Mut hatte wie beim Elfmeter, seinem Schiedsrichter zu sagen: ‘Geh mal raus und schaue dir die Entstehung beim 1:0 an’.» Rangnicks eindeutiges Urteil lautete: «Klares Foul an Xaver Schlager.»
Hätte Schiedsrichter Amin Mohamed Omar das auch so gesehen, wäre Argentiniens Führungstor nicht entstanden. Doch so kam der Ball stattdessen nach Mac Allisters tatsächlich durchaus foulwürdigem Einsteigen über Rodrigo De Paul zu Messi, der das Spiel verlagerte und das Leder einige Sekunden später an der Strafraumgrenze zurück bekam, um in typisch eiskalter Manier abzuschließen.
«Das ist für mich ein Foul», pflichtete Jürgen Klopp in seiner Funktion als Experte bei MagentaTV Rangnick bei. Expertenkollege Thomas Müller ordnete angesichts der grundsätzlichen Linie des Schiedsrichters, der viel laufen ließ, ein: «Auf der Tribüne hat es nach Foul ausgesehen. Es ist auf neutralem Boden für mich eher ein Foul, aber so wie der Schiri laufen lässt und so dass er auch den Ball spielt, ist es schwierig zurückzunehmen.»
Mac Allister war von hinten in den Zweikampf mit Schlager gegangen. Der Mann vom FC Liverpool spielte dabei zwar auch den Ball, traf aber vor allem den Österreicher und räumte ihn um, Schlager blieb nach dem Zweikampf zunächst liegen. «Faktisch betrachtet ist es nicht lösbar», analysierte Schiedsrichter-Experte Patrick Ittrich, der seine Karriere nach der abgelaufenen Saison beendet hatte, bei MagentaTV, und konnte nachvollziehen, dass sich der VAR nicht einschaltete: «Es wird der Ball gespielt, es wird auch der Körper gespielt. Das ist Schiedsrichter Ermessens Sache. Wenn er pfeift, ist es okay. Wenn er nicht pfeift, ist es auch okay. Tendenz eher Foul, aber er hat laufen lassen.»
Lionel Messis Treffer zum WM-Rekord irregulär? «Der VAR hätte das Tor zurücknehmen müssen»

Was Rangnicks Ärger aber vor allem geißelte: Beim frühen Elfmeter für Argentinien, den Messi letztlich vergab, hatte der VAR nach einer Szene, die man anhand der Spielführung von Schiedsrichter Omar seiner Meinung auch hätte durchwinken können, sehr wohl eingegriffen. Schlager und Stefan Posch nahmen hier Argentinien-Stürmer Lautaro Martinez in die Zange und während Schlager auch den Ball spielte, traf Posch ausschließlich Martinez. Auf dem Platz war Omars Elfmeterpfiff zunächst ausgeblieben, nach Ansicht der Bilder legte er sich dann aber doch auf Strafstoß fest.
Auch Manchester Uniteds Torwartlegende Peter Schmeichel hatte die Elfmeterszene im Hinterkopf, als er aufgrund des ersten argentinischen Tores zur Kritik an den Unparteiischen ansetzte. «Ich glaube nicht, dass der Treffer hätte zählen dürfen. Denkt daran, wie sie den Elfmeter bekommen haben», sagte der Däne als TV-Experte bei FOX und meine zu Mac Allisters Einsteigen gegen Schlager: «Es gibt einen Tritt von hinten. Das ist ein Freistoß. […] Der VAR hätte das Tor zurücknehmen müssen. Das ist ein klarer und offensichtlicher Fehler des Schiedsrichters. Daher tut es mir ein bisschen leid für Österreich.»
Mit Konrad Laimer vom FC Bayern verteilte indes auch ein österreichischer Spieler eine Spitze in Richtung des Schiedsrichters, die allerdings nicht direkt auf das erste Messi-Tor Bezug nahm, sondern auf die aus seiner Sicht sehr harte Gangart des Weltmeisters: «Ich weiß nicht, wie viel Fouls die Argentinier gemacht haben, gefühlt waren es 700 Fouls. Und sie haben nur eine Gelbe Karte bekommen, nach 70 Minuten (Facundo Medina in der 76. Minute, d. Red.). Aus welchem Grund auch immer gibt man halt keine Gelben Karten mehr», monierte Laimer bei MagentaTV und fügte nach einem Seufzer an: «Ich darf mich nicht zu viel aufregen, es bringt ja auch nichts.»
Lionel Messi und Kylian Mbappe im Duell um den Status als WM-Rekordtorschütze

Für Messi war sein Führungstreffer in der 38. Minute derweil ein ganz besonderer: Es war das 17. Tor des Angreifers von Inter Miami bei einer Weltmeisterschaft, womit er an Miroslav Klose (16 Tore) vorbeizog und nun alleiniger WM-Rekordtorschütze ist. In der Nachspielzeit traf Messi dann auch noch zum 2:0-Endstand, steht nun also bei 18 WM-Treffern.
Als eine Geschichte der Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada entwickelt sich ein Duell zwischen Messi und Kylian Mbappe um den Status des WM-Rekordtorschützen. Der französische Stürmerstar traf nach seinem Doppelpack zum Auftakt gegen Senegal (3:1) auch im zweiten Gruppenspiel gegen Irak (3:0) zweifach und steht nun insgesamt bei 16 WM-Toren. Mbappe ist damit vorerst mit Klose gleichgezogen, würde am Ende der WM 2026 aber sicher nur zu gerne vor Messi stehen.
Während Messis Argentinier nach zwei Auftaktsiegen bereits vor dem letzten Vorrundenspiel gegen Jordanien als Gruppensieger feststehen, kommt es für Österreich in der Nacht von Samstag auf Sonntag (deutsche Zeit) zum Finale um Platz zwei gegen Algerien. Beide Mannschaften konnten ihre jeweiligen Partien gegen Jordanien gewinnen und stehen damit beide bei drei Punkten. Da Österreich das bessere Torverhältnis hat, würde dem ÖFB-Team ein Unentschieden sicher reichen, um Zweiter zu werden.
Lionel Messi jetzt alleine vorne: Die Top-5 der WM-Rekordtorschützen
|
Platz |
Spieler |
Land |
Teilnahmen |
Spiele |
Tore |
|
1 |
Lionel Messi |
Argentinien |
6 |
28 |
18 |
|
2 |
Kylian Mbappe |
Frankreich |
3 |
16 |
16 |
|
3 |
Miroslav Klose |
Deutschland |
4 |
24 |
16 |
|
4 |
Ronaldo |
Brasilien |
4 |
19 |
15 |
|
5 |
Gerd Müller |
Deutschland |
2 |
13 |
14 |

