Mexiko und Südkorea verbindet seit dem deutschen WM-Desaster von 2018 eine ganz besondere Liebesbeziehung. Bei der WM wird diese sichtbar.
Die herzerwärmenden Bilder gingen um die Welt: Von einer Mexikanerin, die einem koreanischen Reporter im Live-TV einen Kuss auf die Wange gibt, von Südkoreanern mit Sombreros und gemeinsamen Tänzen mit ihren Gastgebern auf der Prachtstraße Paseo de la Reforma in Mexiko-Stadt. Und selbst beim direkten Duell im zweiten Gruppenspiel, das der Co-Gastgeber mit 1:0 gewann, feierten Mexikaner und Südkoreaner beim Rudelgucken Arm in Arm.
Obwohl die beiden Länder durch eine unterschiedliche Sprache, 12.000 Kilometer Entfernung und einen 15-stündigen Zeitunterschied getrennt und in der Gruppe A Konkurrenten sind, drücken sich die Fans bei der WM gegenseitig die Daumen. Auch in der Nacht auf Freitag wieder, wenn Mexiko seinen «Freunden» aus Asien bei deren Spiel gegen Südafrika etwas zurückgeben will.
Der Grund für diese ungewöhnliche geokulturelle Liebesbeziehung geht (zumindest sportlich) auf die WM 2018 in Russland zurück. Im letzten Vorrundenspiel besiegte Südkorea die deutsche Mannschaft und verhalf Mexiko damit ins Achtelfinale. Die Brauerei Cuauhtémoc Moctezuma aus Monterrey schickte als Dank damals einen LKW voller Bier zum örtlichen Kia-Werk, der südkoreanische Konsul in der Hauptstadt feierte mit einem Mexiko-Trikot.
Mexiko kann Südkorea noch Schützenhilfe bei der WM leisten

Diesmal steht Mexiko vor dem Duell mit Tschechien im Aztekenstadion schon als Gruppensieger fest, kann Südkorea aber noch Schützenhilfe leisten. Verlieren die Mexikaner nicht, sind die «Taeguk Warriors» in jedem Fall Gruppendritter. Holt das Team um Kapitän Heung-Min Son auf mexikanischem Boden ein Remis oder einen Sieg gegen Südafrika, steht es als Zweiter sicher im Sechzehntelfinale.
Das Spiel findet dabei ausgerechnet in der Industriestadt Monterrey statt, wo der koreanische Einfluss am deutlichsten spürbar ist. Die Ansiedlung der großen Automarke und anderen koreanischen Unternehmen hat im letzten Jahrzehnt einen Zustrom von Tausenden Südkoreanern mit sich gebracht. Hinzu kommt der Hype um «K-Pop», das sich zu einem der größten Musikphänomene in Mexiko entwickelt hat.
Im Stadtzentrum von Monterrey verkaufen Ladenbesitzer lebensgroße Pappfiguren der südkoreanischen Boyband Stray Kids und Kissen mit den Gesichtern der BTS-Superstars. «K-Pop ist das Tor, aber das Endergebnis ist, dass viele junge Menschen sich schließlich für die Sprache, die Bildung und die Kultur interessieren», sagte Erika Garza, Direktorin für Asienstudien an der Autonomen Universität von Nuevo León.
Mexikos WM-Trikot ist der Verkaufsschlager — Südkorea darf auf «Heimspiel» hoffen

Die Korea-Liebe steht dabei exemplarisch für die allgemeine WM-Begeisterung im Gastgeberland, die trotz der zwei sportlich dürftigen Auftritte zum Start ins Unermessliche gestiegen ist. Das mexikanische Trikot ist laut Medienberichten das meistverkaufte Exemplar aller WM-Teilnehmer, eine Ente namens Merlín wird als inoffizielles Maskottchen gefeiert und bekam am Montag sogar eine Audienz bei Präsidentin Claudia Sheinbaum.
All das kommt auch bei den Spielern an. «Ich glaube an Mexiko. Wir haben alles, um Weltmeister zu werden. Wir spielen zu Hause», sagte Wunderkind Gilberto Mora (17). Und auch Südkorea dürfte dank seiner Verbundenheit zu Mexiko zum Gruppenabschluss ein «Heimspiel» bekommen.

