Сб. Июн 20th, 2026

«Für Außenstehende nicht immer nachvollziehbar»: Julian Nagelsmann sieht «psychologisches Phänomen» bei Leroy Sane

Julian Nagelsmann vertraut auch gegen die Elfenbeinküste auf Leroy Sane. Die öffentliche Kritik an seinem umstrittenen Rechtsaußen wies der Bundestrainer entschieden zurück.

Bundestrainer Julian Nagelsmann war bei der Pressekonferenz vor Deutschlands zweitem WM-Spiel am Samstag um 22 Uhr gegen die Elfenbeinküste nicht nur als Fußballtrainer gefragt. Sondern unter anderem auch als Biologe, wobei er diese Rolle nicht sonderlich ernst nahm. Auf eine Frage nach der Schlange im Teamcamp in Winston-Salem, von der neulich Joshua Kimmich erzählt hatte, antwortete er scherzhaft und etwas genervt: «Es ist eine große Anakonda.» Tatsächlich soll es sich um eine nicht ungefährliche Grubenotter handeln.

Anschließend schlüpfte Nagelsmann in die Rolle des Psychologen. Nun war ihm nicht mehr zum Scherzen zumute. Es ging schließlich um Leroy Sane. Wohl kein deutscher Fußballer spaltet die Gemüter so sehr wie der 30-jährige Rechtsaußen, seit dem 7:1 gegen Curacao zum WM-Auftakt haben die Debatten um ihn wieder einmal Hochkonjunktur. 

Sane bemühte sich zwar sichtlich und arbeitete viel, wirkte in seinen offensiven Aktionen aber äußerst unglücklich. Zwei Topchancen vergab er halbwegs kläglich und blieb somit als einziger deutscher Offensivspieler ohne Scorerpunkt. Viele Fans, Experten und Journalisten forderten daraufhin einen Bankplatz Sanes gegen die Elfenbeinküste — als Alternativen gelten Deniz Undav und Jamie Leweling. Aus Sicht des Bundestrainers waren diese Reaktionen voreingenommen und ungerechtfertigt.

DFB-Team: Julian Nagelsmann verteidigt Leroy Sane

DFB-Team: Julian Nagelsmann verteidigt Leroy Sane

«Es gibt da ein psychologisches Phänomen», erklärte Nagelsmann. «Wenn man einen Menschen in einer gewissen Schublade hat und ihn gewissermaßen charakterisiert hat, dann wird alles, was man nur ansatzweise in diese Richtung sieht, um ein Vielfaches schlimmer bewertet. In diesem psychologischen Moment sind wir glaube ich bei ihm.» Nagelsmann fand die Kritik an Sanes Leistung gegen Curacao jedenfalls «nicht gerechtfertigt». 

«Man hat ihm ja lange Zeit angekreidet, dass er nicht den Fleiß hat und sich nicht so viel bewegt. Aber das hat er absolut gemacht in dem Spiel», befand der Bundestrainer. Sane habe «auf dem Feld sehr gute Dinge» gezeigt und die ihm gestellten Aufgaben erfüllt. «Das Schöne ist, dass wir die Idee vorgeben, mit der Mannschaft besprechen und dann bewerten können, ob ein Spieler die Idee umsetzt», sagte Nagelsmann, gab gleichzeitig aber auch zu: «Das ist für Außenstehende nicht immer ganz leicht nachvollziehbar.»

Julian Nagelsmann: «Ich wüsste nicht, warum ich ihn nicht spielen lassen soll»

Julian Nagelsmann:

Da Sane auch in der darauffolgenden Trainingswoche «sehr fleißig war, gut gearbeitet und gut trainiert hat», will ihn Nagelsmann gegen die Elfenbeinküste erneut von Beginn an aufbieten: «Ich wüsste nicht, warum ich ihn nicht spielen lassen soll. Ich bin keiner, der sich treiben lässt von irgendwelchen Meinungen von außen.» Nagelsmann plant Sane diesmal aber in einer etwas defensiveren Rolle ein, als Unterstützung für Rechtsverteidiger Joshua Kimmich gegen den flinken Dribbler Yan Diomande.

Die öffentlichen Debatten um seine Person machen laut Nagelsmann übrigens nichts mit Sane: «Ich kann euch versichern: Ihn stört es nicht. Das beschäftigt eher mich, weil ich es ungern habe, dass über meine Spieler so etwas geschrieben wird.» Letztlich liege es aber «an ihm, euch zu überzeugen, dass ihr besser über ihn schreibt», sagte Nagelsmann. «Aber auch wenn ihr besser über ihn schreibt, kriegt er nicht mehr Selbstvertrauen. Das kriegt er von uns, weil wir ihn spielen lassen, und vom Team durch gute Rückmeldungen und Akzeptanz.»

By Callum Henshaw

Callum Henshaw, based in Bristol, England, is a sports journalist hooked on Juventus. From match breakdowns to transfer buzz, he delivers sharp, fan-focused takes on the Bianconeri.

Related Post