Commissioner Adam Silver krempelt die NBA Draft-Lotterie gehörig um. Ob alle neuen Regeln zielführend sind und welche unerwarteten Konsequenzen sie haben könnten, wird heiß diskutiert. Während einige Teams von den Änderungen profitieren, sehen andere wie die Memphis Grizzlies erhebliche Nachteile.
Adam Silver hat das richtige Problem erkannt
Adam Silver hat das absichtliche Verlieren, das sogenannte «Tanking», als Problem für die Integrität des Wettbewerbs identifiziert. Nach Monaten der Diskussion mit verschiedenen Stakeholdern wurde eine umfassende Reform der Draft-Lotterie mit einer überwältigenden Mehrheit von 29 von 30 Stimmen vom Board of Governors verabschiedet. Silver betonte die Notwendigkeit radikalerer Maßnahmen als frühere inkrementelle Änderungen, um dem Phänomen entgegenzuwirken. Die neue «3-2-1-Lottery» reduziert die Chancen für die schlechtesten Teams, den ersten Pick zu erhalten. So haben die drei schlechtesten Teams nur noch zwei statt drei Kugeln in der Lostrommel, was die Wahrscheinlichkeit auf den ersten Pick auf 5,4 Prozent senkt. Zudem gibt es Beschränkungen für Teams, die mehrmals in Folge Top-Picks erhalten.
Die neue Lottery ermöglicht Tanking in ganz neuer Form
Obwohl das Ziel die Eindämmung des Tankings ist, besteht die Gefahr, dass sich das Problem lediglich verlagert. Mit den neuen Regeln könnten Teams, die nicht zu den absolut schlechtesten gehören, aber dennoch keine Playoff-Chancen haben, gezielt darauf hinarbeiten, knapp über den schlechtesten Plätzen zu landen. Die Aufstockung der Lottery auf 16 Teams und die Einbeziehung des Play-Ins könnten zu «lustigen» Konstellationen führen, bei denen Teams absichtlich schlechter abschneiden, um ihre Draft-Chancen zu erhöhen. Eine Niederlage im ersten Play-In-Duell könnte sich für ein Team mit geringen Titelchancen plötzlich lohnen, da sie dann doch noch eine geringe Chance auf einen Top-Pick hätten.
NBA: Das große Problem für kleine Märkte
Die neuen Regelungen scheinen die Chancen der schlechtesten Teams auf hohe Picks zu reduzieren, was auf den ersten Blick positiv erscheint. Allerdings wird dabei die Realität vieler Teams, die auch ohne aktives Tanking regelmäßig im unteren Tabellenbereich landen, außer Acht gelassen. Verletzungen oder einfach nur Pech bei der Draft-Auswahl können Teams in diese Situation bringen. Für Teams in kleineren Märkten ist der Draft oft der einfachste und manchmal einzige Weg, um sich durch hochtalentierte Spieler zu verstärken und wettbewerbsfähig zu werden. Teams wie die Minnesota Timberwolves oder die Orlando Magic haben gezeigt, wie wichtig ein Top-Pick für den Aufstieg sein kann. Große Märkte hingegen können auf Spieler durch Free Agency oder Trades zurückgreifen.
Die Spurs und andere Contender bedanken sich
Teams, die bereits über junge Talente verfügen und auf dem Weg zur Spitze sind, wie die Oklahoma City Thunder und die San Antonio Spurs, könnten von den Änderungen profitieren. Die Spurs könnten sich besonders darüber freuen, dass die neuen Regeln erst 2027 in Kraft treten, was ihnen erlaubt, ihre aktuellen Schlüsselspieler wie Victor Wembanyama, Stephon Castle und Dylan Harper durch frühere Draft-Picks zu entwickeln. Diese Regeländerungen könnten jedoch dazu führen, dass sich bestehende Superteams weiter verstärken und die Kluft zwischen Top-Teams und dem Rest der Liga wächst, was die Parität in der NBA, die in den letzten Jahren durch wechselnde Champions gekennzeichnet war, gefährden könnte.
NBA Draft-Revolution: Die Memphis Grizzlies als große Verlierer
Die Memphis Grizzlies sind das einzige Team, das gegen die neuen Regeln gestimmt hat, und das aus gutem Grund. Sie hatten im Februar einen Trade mit den Utah Jazz getätigt, bei dem sie den Erstrundenpick der Jazz für den Draft 2027 erhielten. Dies geschah in der Hoffnung, dass dieser Pick im Lottery-Bereich landen würde, um ihnen im Wiederaufbau zu helfen. Aufgrund der neuen Regeln wird dieser Pick jedoch voraussichtlich nicht mehr in den Top 5 landen, was für die Grizzlies eine erhebliche Benachteiligung darstellt, da sie keine Sonderregelung für diesen bereits getätigten Trade erhalten. Die NBA scheint in diesem Fall entweder unzureichend vorbereitet oder gleichgültig zu sein. Auch die Umkehrung der ersten 16 Picks in der zweiten Runde wirft Fragen auf, wie sie das Tanking verhindern soll und ob sie nicht eher für zusätzliche Komplexität sorgt.
NBA-Draft 2026: Die Top-10 Picks
| Pick | Team |
|---|---|
| 1 | Washington Wizards |
| 2 | Utah Jazz |
| 3 | Memphis Grizzlies |
| 4 | Chicago Bulls |
| 5 | Los Angeles Clippers |
| 6 | Brooklyn Nets |
| 7 | Sacramento Kings |
| 8 | Atlanta Hawks |
| 9 | Dallas Mavericks |
| 10 | Milwaukee Bucks |

