Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat bei einem Auftritt im German House of Soccer in New York etwas überraschend Brasilien zu seinem persönlichen WM-Favoriten ernannt.
Gemeinsam mit einigen Sponsoren betreibt der DFB während der Weltmeisterschaft in New York das sogenannte «German House of Soccer». Rund 30 Gehminuten vom Times Square entfernt gibt es hier große Bildschirme zum gemeinsamen WM-Schauen, eine Torwand und allerhand Devotionalien aus der deutschen Fußballgeschichte.
Preislich orientiert sich das German House of Soccer an New York: Ein Bitburger kostet zehn Dollar, eine «Bavarian Pretzel» sechs Dollar und ein Retro-Trikot von Jürgen Klinsmann aus dem Jahr 1992 kostet 349,99 Dollar. Am Dienstagabend Ortszeit war der echte Klinsmann zu Gast — als Spieler Weltmeister 1990, später Nationaltrainer Deutschlands und der USA und nun offizieller Botschafter der Einrichtung.
Ancelotti für Klinsmann «einer der drei besten Trainer der Welt»

Gefragt nach seinen Titelanwärtern bei der WM, überraschte Klinsmann durchaus: «Viele Leute erklären mich deshalb für verrückt, aber mein persönlicher Favorit ist Brasilien.» Als Hauptgrund nannte er Coach Carlo Ancelotti, «in meinen Augen einer der drei besten Trainer der Welt».
Die brasilianische Mannschaft habe zudem «viel Qualität und Hunger» — und nach dem bitteren Viertelfinal-Aus bei der WM 2022 in Katar im Elfmeterschießen gegen Kroatien noch etwas gutzumachen. «In Katar habe ich mit Brasilien gelitten», erklärte Klinsmann. «Bis zu dem verrückten Spiel gegen Kroatien, was sie in der regulären Spielzeit hätten gewinnen müssen, waren sie das beste Team. Das war eine traurige Geschichte.»
Bei der aktuellen WM wird Brasilien nicht unbedingt als Topfavorit gehandelt. Ancelottis Mannschaft startete mit einem 1:1 gegen Marokko ins Turnier, es folgte ein souveränes 3:0 gegen Haiti. Zum Abschluss der Gruppenphase trifft Brasilien in der Nacht auf Donnerstag auf Schottland.
Klinsmann: «Vielleicht tut Neymar das, was Undav für Deutschland tut»

Der von Ancelotti etwas überraschend nominierte Superstar Neymar (34) verpasste die ersten beiden Spiele wegen einer Wadenverletzung, könnte in Klinsmanns Augen im weiteren Turnierverlauf aber noch eine entscheidende Rolle spielen: «Vielleicht kommt Neymar von der Bank und tut das, was Deniz Undav für Deutschland tut.» Heißt: Haufenweise Jokertore schießen.
Als ehemaliger Mittelstürmer outete sich Klinsmann als «Fan von echten Neunern und Fan von Deniz». Etwaige Aufstellungs-Empfehlungen an seinen Bundestrainer-Nach-nach-nachfolger Julian Nagelsmann vermied er aber. Nach den beiden Siegen gegen Curacao und die Elfenbeinküste ist Klinsmann jedoch überzeugt, dass Deutschland «mit allen» mithalten könne. Neben Brasilien erhob er mit Argentinien, Frankreich, Spanien und England noch vier erwartbare Nationen in seinen persönlichen Favoritenkreis.

