Bundestrainer Julian Nagelsmann verzichtet im abschließenden Gruppenspiel der WM gegen Ecuador auf Rotationen und ändert seine Startelf somit nur auf zwei Positionen.
Noch ehe ein einziger Reporter bei der Pressekonferenz vor dem Ecuador-Spiel eine Frage stellen konnte, hatte Julian Nagelsmann die wichtigste Antwort schon gegeben. In seinem Eröffnungsstatement nahm der Bundestrainer klar Stellung zu den Debatten über mögliche Rotationen — und im Zuge dessen vor allem über etwaige Startplätze für Superjoker Deniz Undav und Ersatzkeeper Oliver Baumann.
«Wir werden die Wechsel vornehmen, die wir vornehmen müssen. Sonst werden wir so ins Spiel gehen wie die letzten Spiele auch», verkündete Nagelsmann im Stadion von East Rutherford vor den Toren New Yorks. Aus der bisherigen WM-Startelf weichen am Donnerstag um 22 Uhr gegen Ecuador somit nur der schwer verletzte Innenverteidiger Nico Schlotterbeck (Innenbandriss im Sprunggelenk) sowie Linksverteidiger Nathaniel Brown, der unter Adduktorenbeschwerden leidet. Auf Nachfrage bestätigte Nagelsmann, dass die beiden durch Antonio Rüdiger und David Raum ersetzt werden.
Weil der Gruppensieg bereits feststeht und das Duell mit Ecuador für den weiteren Turnierverlauf somit irrelevant ist, hätten sich Rotationen durchaus angeboten. Nagelsmann will aber, dass seine bevorzugte Startelf soweit möglich im Rhythmus bleibt und vor allem die in den vergangenen Monaten lange verletzten Kai Havertz, Jamal Musiala und Felix Nmecha gemeinsame Spielpraxis sammeln.
«Wenn man die letzten Wochen vor der WM genommen hat, war eines der entscheidendsten Themen, dass sich die Mannschaft einspielen muss und dass wir zu wenige Spiele gemeinsam haben», sagte Nagelsmann. «Jetzt haben wir zwei Spiele gemacht und jetzt wird diskutiert, wie viel wir wechseln. Dahinter sehe ich nicht den riesen Sinn.»
Deniz Undav bleibt Joker: «Ich akzeptiere die Rolle»

Somit muss auch Undav weiterhin mit seiner Jokerrolle leben. In den ersten beiden Spielen gegen Curacao (7:1) und die Elfenbeinküste (2:1) hatte der Stürmer des VfB Stuttgart nach zwei Einwechslungen in 56 Minuten zwei Tore und drei Assists verzeichnet. «Herausragend», lobte der Bundestrainer. «Ich verstehe jegliche Diskussionen, dass Deniz sich in die erste Elf gespielt hat. Das kann man unterschreiben.» Dennoch entschied sich Nagelmann gegen Undav, der ebenfalls an der Pressekonferenz teilnahm und neben dem Bundestrainer saß. «Ich akzeptiere die Rolle», sagte er. «Wenn es für mich nicht fein wäre, dann wäre ich nicht hier.»
Im Tor steht gegen Ecuador abermals Manuel Neuer. Ersatzmann Oliver Baumann muss somit weiter auf seinen allerersten WM-Einsatz warten. «Das ist bei Oli auf Verständnis gestoßen», sagte Nagelsmann. Dass viele Experten und Fans dem kurz vor Turnierbeginn wegen Neuers Comeback degradierten Baumann einen Einsatz gegönnt hätten, könne Nagelsmann aber «aus menschlicher Sicht verstehen».
Neuer erlebt bis dato eine undankbare WM. Der 40-Jährige bekam erst vier Schüsse aufs Tor: Zwei waren harmlos, zwei unhaltbar drinnen. «Wenn man die zwei Spiele sieht, dann waren das absolut keine Torwartspiele», sagte Nagelsmann. «Es gab keine Situationen für ihn, Bälle zu halten oder einen Rhythmus zu kriegen.»

