Пт. Июн 26th, 2026

Ausgerechnet in in Michael Schumachers Wohnzimmer: Lewis Hamilton winkt der größte aller Erfolge in der Formel 1

Nach 686 Tagen hat Lewis Hamilton wieder ein Rennen in der Formel 1 gewonnen. Von vielen Seiten wurde er nach einem Jahr voller Rückschläge schon abgeschrieben. Gelingt nun sogar die ultimative Vollendung seiner Karriere?

Keine sechs Monate ist es her, da war die Stimmung bei Ferrari auf dem absoluten Tiefpunkt angelangt. Die Saison 2025 war gerade zu Ende gegangen — mit einem enttäuschenden vierten Platz in der Konstrukteurs-Wertung hinter McLaren, Red Bull und Mercedes schnitt die Scuderia so schlecht ab wie nur ein einziges Mal zuvor in den vorangegangenen elf Jahren. Statt um Titel und Siege zu kämpfen, hatten die Roten gravierende Schwierigkeiten, ihre beiden Boliden regelmäßig unter die Top-5 zu hieven. Vom Anspruch eines Weltklasse-Rennstalls zur Wirklichkeit eines besseren Mittelfeld-Teams.

Noch katastrophaler stellte sich die Situation um Lewis Hamilton dar. Lässt man den Überraschungssieg im Sprint von China außen vor, und das tun die Statistiken nun einmal, blieb der siebenfache Champion zum ersten Mal überhaupt in seiner 19-jährigen Laufbahn ohne einen einzigen Podestplatz. Er, der sich jeden nennenswerten Rekord in der Formel 1 mittlerweile zu eigen gemacht hat. Er, der alles gewonnen hat, was es in der Königsklasse irgendwie zu gewinnen gibt.

Wie sehr das an ihm selbst nagte, war nur unschwer zu erkennen. Während zu Beginn des Jahres nach schwachen Ergebnissen und unglücklichen Rennausgängen noch Zuversicht, Hoffnung und Motivation aus Hamilton sprachen, wich diese positive Einstellung im Laufe der Saison immer mehr blanker Verzweiflung und später in Teilen sogar Wut auf sich selbst, seinen Rennstall und die äußeren Umstände.

Das ging so weit, dass nach Saisonende lange nicht klar war, wie es mit Hamilton überhaupt weitergehen sollte. Einerseits gab es Frust auf Seiten Ferraris. Der Rennstall konnte mit den gezeigten Leistungen des Briten angesichts seines deutlichen Abfalls im direkten Vergleich zu Teamkollege Charles Leclerc sowie der dafür gezahlten, millionenschweren Rekord-Vergütung kaum zufrieden sein. Mit einem geschätzten Gehalt von 50 Millionen Euro pro Jahr ist der Superstar der bestbezahlte Pilot im Formel-1-Zirkus.

Andererseits mehrten sich auch die Zweifel bei Hamilton selbst. Gerüchte um eine vorzeitige Vertragsauflösung und ein damit verbundenes Karriereende machten die Runde. Der 41-Jährige heizte die Spekulationen zusätzlich an, indem er sich kryptisch äußerte und kein klares Statement bezüglich seiner Zukunft abgeben wollte. «Ich habe keine Wort, um zu beschreiben, wie es in mir aussieht. Eine unerträgliche Menge an Wut und Ärger. Viel mehr kann ich eigentlich nicht sagen.», lautete seine schonungslose Analyse nach dem letzten Rennen in Abu Dhabi.

«Es geht mir nicht viel durch den Kopf, ich denke nun an Weihnachten. Was geschehen ist, ist geschehen. Ich denke auch nicht an die Zukunft, ich denke nur an Weihnachten und die Zeit mit meiner Familie. An nichts anderes.»

Ferrari baut Lewis Hamilton endlich ein Weltmeister-Auto

Ferrari baut Lewis Hamilton endlich ein Weltmeister-Auto

Heute, ein halbes Jahr später, ist von diesen unsicheren Gedanken und großen Selbstzweifeln kaum noch etwas übrig. Da ist zum einen der Ferrari, der sich in den vergangenen Wochen dank offensichtlich wirkungsvoller Updates zu einem Siegerauto entwickelt hat. Der Erfolg Hamiltons in Barcelona war keineswegs ein Ausrutscher — schon unmittelbar zuvor war der Brite in Kanada und Monaco auf Rang zwei hinter WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli gefahren, auf zwei sehr unterschiedlichen Strecken also. Dass der Ferrari-Motor gegenüber dem Mercedes nach wie vor ein Leistungsdefizit hat, ist bekannt. Das gute Auto kann diese Nachteile aber immer häufiger und besser ausgleichen. So tat die einen Kilometer lange Gerade in Barcelona dem SF-26 nicht wirklich weh.

Vor allem in puncto Chassis-Design hat Ferrari erhebliche Fortschritte gemacht. Ein Markenzeichen seiner Autos in den letzten Jahren war die Gutmütigkeit im Umgang mit Randsteinen und Bodenwellen, und der SF-26 behielt diese Eigenschaft bei, wie seine Performance in Monaco bewies. Das Aerodynamik-Paket scheint in seiner Gänze gut durchdacht und entwicklungsfähig zu sein, was sich ebenfalls in der stetigen Verbesserung im bisherigen Saisonverlauf zeigt.

Auch der Blick auf Mercedes, das zuvor sämtliche sechs Saisonrennen gewonnen hatte, dürfen der Scuderia und Hamilton Mut machen. Die Silberpfeile von Antonelli und George Russell fielen in den vergangenen Wochen zweimal mit technischen Problemen aus — das bereitet Mercedes Sorgen. Und dann wäre da natürlich noch das interne Duell der beiden Piloten. Antonelli befindet sich angesichts des bisherigen Saisonverlaufs im absoluten Höhenflug und hat fürs Erste den Support des Teams. Auf der anderen Seite befindet sich Russell in der Drucksituation, unbedingt abliefern zu müssen, um im WM-Kampf nicht die zweite Geige spielen zu müssen sowie seine persönliche Zukunft bei den Silberpfeilen nicht zu gefährden.

Hamilton? «Viele Jahre gesehen, wie der Lewis-Zug loslegt»

Hamilton?

Der gefährlichste Faktor für Mercedes ist gleichwohl Hamilton selbst. Wie kaum ein anderer Pilot im Feld kommt der 41-Jährige mit der neuen Boliden-Generation zurecht, welche den Fahrern einen wieder vermehrt konventionelleren Fahrstil abverlangt als dies die vorangegangenen Autos noch taten. Während Hamilton in den letzten Jahren der Ground-Effect-Ära immer größere Schwierigkeiten mit dem Bouncing und steifen Fahrgefühl hatte, scheint nun ein runderer, weicherer Umgang mit dem Boliden vermehrt zum Erfolg zu führen.

Zusätzlich kann sich Hamilton auf seine unglaubliche Erfahrung verlassen. Die Bedienung der seit dieser Saison zum Einsatz kommenden elektrischen Komponenten im Fahrzeug erfordert auf der einen Seite das nötige Feingefühl, auf der anderen Seite aber auch eine Menge Denkvermögen und Entscheidungsfreudigkeit innerhalb kürzester Zeit. Ein kleiner Fehler kann selbst im Rennen gravierende Auswirkungen haben, vor allem aber auf einer schnellen Runde ist den Piloten kaum noch Raum für Fehlgriffe geblieben.

Wenn bei Hamilton all diese Faktoren zusammenspielen, er sich im Team und im Auto wohlfühlt, dann weiß die Konkurrenz, auf was sie sich gefasst machen kann. Obwohl mit 41 Punkten der Rückstand auf Antonelli noch vergleichsweise groß ist, hat sich der siebenfache Champion spätestens mit seinem Sieg auf dem Circuit de Catalunya im Kreis der WM-Anwärter angemeldet. «Wenn er Blut riecht, dann legt er los. Ich habe selbst viele Jahre gesehen, wie der Lewis-Zug loslegt. Er ist dann schwer zu stoppen», wagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff, der Hamilton aus der gemeinsamen Zeit bei den Silberpfeilen (2013-2024) bestens kennt, eine Prognose.

Übertrifft Lewis Hamilton bei Ferrari das Vermächtnis Michael Schumachers?

Übertrifft Lewis Hamilton bei Ferrari das Vermächtnis Michael Schumachers?

Dass Hamilton seinen ersten Sieg in Rot in Barcelona erringt, darf in dieser Hinsicht beinahe schon als prophetisches Zeichen verstanden werden. Ausgerechnet dort stand einst auch Michael Schumacher das erste Mal für Ferrari ganz oben auf dem Podium. 30 Jahre liegt das zurück, Hamilton selbst war damals erst elf. «Ich werde wohl auf der Couch vor dem Fernseher gesessen haben», mit dem Mittagessen auf dem Schoß: «Ein Sandwich, vielleicht auch Hühnersuppe.» Und dann sah er, wie der Deutsche in Barcelona seinen ersten Scuderia-Sieg im Ferrari feierte. Und fragte sich, «wie das wohl ist».

Ausgerechnet dort, wo Schumacher, der andere Rekordweltmeister, «begann, seine Legende mit Ferrari zu schreiben», klappte es nun auch für Hamilton. Der Deutsche brachte den Titel damals nach 21 Jahren zurück nach Maranello, heute wartet Ferrari bereits 19 Jahre. Und selbst wenn Schumacher in der Folge fünf Weltmeisterschaften für die Scuderia errang — ein Hamilton-Titel würde all dies noch einmal übertreffen. Er würde sich endgültig zum alleinigen Rekordweltmeister krönen. In «Schumis» Wohnzimmer. Es wäre die ultimative Krönung einer ohnehin schon außergewöhnlichen Karriere.

By Callum Henshaw

Callum Henshaw, based in Bristol, England, is a sports journalist hooked on Juventus. From match breakdowns to transfer buzz, he delivers sharp, fan-focused takes on the Bianconeri.

Related Post